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SUMMARY:Vortrag des Stadtarchivars über den abscheulichen Abschnitt der Geschichte des Franziskanerklosters (Artikel von Julian Wirth)
LOCATION:Kelkheim (Taunus)\, Rathaus
DESCRIPTION:<p style="text-align: center;"><img src="images/KlostervortragMatuschekBerg
 er_22.02.2025_3.jpg" alt="KlostervortragMatuschekBerger 22.02.2025 3" width
 ="650" height="248" /></p><p>&nbsp;</p><p style="text-align: center;"><span
  style="font-size: 24pt; color: #ff0000;"><strong>Als die Wölfe über die Bu
 rg Gottes kamen</strong></span></p><p style="text-align: center;"><span sty
 le="font-size: 24pt; color: #ff0000;"><strong>Das Kloster Kelkheim und die 
 Gestapo</strong></span></p><p>&nbsp;</p><p style="text-align: center;"><img
  src="images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_1
 .jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 1" 
 width="650" height="174" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der Plenar
 saal des Kelkheimer Rathauses reichte nicht aus, um die vielen Teilnehmerin
 nen und Teilnehmer beim Vortrag des Stadtarchivars Julian Wirth am 27. Febr
 uar 2026 unterzubringen.</span></p><p style="text-align: center;"><img src=
 "images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_2.jpg"
  alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 2" width
 ="650" height="188" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Bürgermeister A
 lbrecht Kündiger und Erster Stadtrat Dirk Hofmann begrüßten die Gäste.</spa
 n></p><p><span style="font-size: 12pt;">Das Franziskanerkloster Kelkheim is
 t nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt und der Region, sondern auch ein bede
 utendes Zeugnis katholischer Religiosität.</span></p><p><span style="font-s
 ize: 12pt;">Bei der Grundsteinlegung des Klosters im Jahr 1908 fasste der d
 amalige Kelkheimer Bürgermeister die Intention des Baus in folgende Worte:<
 /span></p><p style="text-align: center;"><img src="images/Vortrag_Julian_Wi
 rth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_3.jpg" alt="Vortrag Julian Wirt
 h über das Franziskanerkloster 27.02.2026 3" width="650" height="304" /></p
 ><p><span style="font-size: 12pt;"><em>„Dieses Haus soll erstehen Gott zur 
 Ehr, Kelkheim zum Frieden und dem schönen Taunus zur Zier!“</em></span></p>
 <p style="text-align: center;"><img src="images/Vortrag_Julian_Wirth_über_d
 as_Franziskanerkloster_27.02.2026_4.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das
  Franziskanerkloster 27.02.2026 4" width="650" height="396" /></p><p><span 
 style="font-size: 12pt;">Der Grundstein für den Kirchenbau wurde 1906 geleg
 t.</span></p><p style="text-align: center;"><img src="images/Klostervortrag
 MatuschekBerger_22.02.2025_4.jpg" alt="KlostervortragMatuschekBerger 22.02.
 2025 4" width="650" height="187" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Ei
 n zentrales Jahr in der Geschichte des Klosters ist das Jahr 1939. In diese
 m Jahr wurde das Franziskanerkloster Kelkheim von der Frankfurter Gestapo g
 estürmt – ein Akt willkürlicher Gewalt, der das „Recht des Stärkeren“ schon
 ungslos demonstrierte.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Gewalt u
 nd Schamlosigkeit als Mittel der Politik schienen überwunden. Doch die Gesc
 hichte zeigt: Sie sind es nicht. Aktuelle Beispiele wie die Praktiken der U
 S-Einwanderungsbehörde ICE oder politische Führungsstile, die eher an absol
 utistische Herrscher als an demokratische Prinzipien erinnern, belegen dies
  auf erschreckende Weise.</span></p><p style="text-align: center;"><img src
 ="images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_9.jpg
 " alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 9" widt
 h="650" height="259" /></p><p><em><span style="font-size: 10pt;">Pater Ivo 
 Trautscheidt links und rechts mit den Patres des Franziskanerklosters&nbsp;
 </span></em></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der erste Pfarrer Kelkhei
 ms, Pater Ivo Trauscheidt, war ein Franziskaner vom Niederrhein. Ursprüngli
 ch für die Missionsarbeit in Japan bestimmt, änderte der Ausbruch des Erste
 n Weltkriegs 1914 seinen Lebensweg. Statt nach Asien zu gehen, blieb er im 
 Deutschen Reich und übernahm 1919 die seelsorgerische Verantwortung in Kelk
 heim.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Pater Ivo Trauscheidt übe
 rnahm sein Amt in Kelkheim zu einer Zeit tiefer Krisen. Die Folgen des Erst
 en Weltkriegs lasteten schwer auf der Bevölkerung: Die Männer litten nicht 
 nur körperlich, sondern waren, wie er selbst formulierte, <em>„am Herzen kr
 ank“</em>. Die Hungerblockade hatte das Volk geschwächt, und die politische
 n Umbrüche entfesselten unkontrollierbare Leidenschaften.</span></p><p><spa
 n style="font-size: 12pt;">Die Lage war prekär: Der Krieg war verloren, die
  Stimmung gedrückt. Viele wissen heute nicht mehr, dass Kelkheim ab Dezembe
 r 1918 sogar unter französischer Besatzung stand. 400 Soldaten quartierten 
 sich in der Stadt ein, und die Trikolore wehte über dem Kloster – ein sicht
 bares Zeichen der Fremdbestimmung.</span></p><p style="text-align: center;"
 ><img src="images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2
 026_5.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.202
 6 5" width="650" height="335" /></p><p><span style="font-size: 10pt;"><em>A
 ufmarsch in der Kelkheimer Bahnstraße 1934</em></span></p><p><span style="f
 ont-size: 12pt;">Der nationalsozialistische Staat war nicht nur auf Adolf H
 itler ausgerichtet – er war seine Schöpfung. Hitler verkörperte als „Führer
 “ die absolute Spitze und zugleich den Architekten des Systems. In dieser t
 otalitären Ordnung gab es keinen Platz für konkurrierende Autoritäten. Währ
 end gläubige Katholiken sich ideologisch am Papst in Rom orientierten, wide
 rsprach dies fundamental dem NS-Anspruch: Keine Götter neben dem einen Gott
 .</span></p><p style="text-align: center;"><img src="images/Vortrag_Julian_
 Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_8.jpg" alt="Vortrag Julian Wi
 rth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 8" width="650" height="280" /><
 /p><p><span style="font-size: 12pt;">Das Kelkheimer Kloster galt bereits fr
 üh als Symbol katholischen Widerstands. Bereits 1925 bezeichnete das evange
 lische <em>„Der evangelische Samaritan“</em> das Kloster als <em>„Hochburg 
 des Katholizismus“</em>. Für die Nationalsozialisten wurde dieser Umstand z
 unehmend unhaltbar. </span></p><p style="text-align: center;"><img src="ima
 ges/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_6.jpg" alt
 ="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 6" width="65
 0" height="208" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Im Februar 1939 esk
 alierte die Situation: Die Gestapo stürmte das Kloster – im NS-Jargon <em>„
 überholte“</em> man es, als handele es sich um eine technische Anlage. Auch
  andere Einrichtungen der Peter-Josef-Stiftung, wie das Kloster in Hadamar 
 oder das Schwesternhaus <em>„Zum Guten Hirten“</em> in Marxheim, wurden auf
  diese Weise <em>„überholt“</em>.</span></p><p><span style="font-size: 12pt
 ;">Alle kirchlichen Proteste gegen die Schließung des Klosters blieben unbe
 antwortet. In letzter Instanz wandte sich der Kirchenvorstand sogar direkt 
 an Adolf Hitler mit den Worten:</span></p><p><span style="font-size: 12pt;"
 ><em>„Lieber Führer, im Vertrauen, dass Sie, unser Führer, der stets für da
 s Recht gekämpft hat, auch uns zu unserem Recht verhelfen wird.“</em></span
 ></p><p><span style="font-size: 12pt;">Die Forderung war klar: Kirche und K
 loster sollten wieder freigegeben werden. Doch die Antwort aus der <em>„Kan
 zlei des Führers“</em> vom 8. Mai 1939 war eine klare Absage. Statt Unterst
 ützung wurde die Gemeinde an die <em>„Geheime Staatspolizei in Berlin“</em>
  verwiesen – ein unmissverständliches Signal, dass es keine Hilfe geben wür
 de.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der propagandistisch beschw
 orene <em>„Endsieg“</em> blieb aus. Mit dem Vorrücken der Alliierten übersc
 hritten 1945 amerikanische Truppen den Rhein. Die NS-Lagerleitung floh Hals
  über Kopf aus dem Kloster, zusammen mit den Arbeitsmaiden. Bis August 1945
  nutzten die Amerikaner das Gebäude als Quartier. Nach ihrem Abzug kehrten 
 die Franziskaner zurück.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Die Pa
 tres vollzogen im Kloster sogar einen Exorzismus – ein symbolischer Akt der
  Reinigung nach den Gräueltaten der NS-Zeit. Doch dieser Exorzismus war meh
 r als ein Ritual: Er spiegelte die verzweifelte Lage einer Gesellschaft wid
 er, deren Staat zusammengebrochen war, deren moralische Grundfesten zerstör
 t waren und die Millionen Tote zu verantworten hatte. Eine Hornauer Quelle 
 beschreibt die Zeit so:</span></p><p><span style="font-size: 12pt;"><em>„Di
 e Zeit ist von Not und Leid erfüllt. Zur Zeit besteht keine Zentralregierun
 g und keine Repräsentation. Das Reich ist völlig zerbrochen, in vier Zonen 
 aufgeteilt.“</em></span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Wer hatte die
  Gestapo-Aktion gegen das Kloster 1939 tatsächlich veranlasst? Ein Bericht 
 des Gendarmerie-Gruppenpostens Sulzbach an den Landrat des Main-Taunus-Krei
 ses vom November 1945 gibt Aufschluss:</span></p><p><span style="font-size:
  12pt;"><em>„Als der Anzeigende [des Klosters bei der Gestapo] kann nur Bür
 germeister Graf in Frage kommen, da der Bericht der Geheimen Staatspolizei 
 zu Berlin den damaligen Bürgermeister von Kelkheim angibt. Graf bezeichnete
  laut Bericht das Franziskanerkloster als ‚Hochburg der katholischen Aktion
  für Kelkheim und Umgebung‘ und behauptete, dass in dem Kloster ‚staatsfein
 dliche Schriften hergestellt worden seien‘. Eine Vernehmung des in Frage ko
 mmenden Schuldigen kann nicht durchgeführt werden. Graf ist tot.“</em></spa
 n></p><p><span style="font-size: 12pt;">Text: Julian Wirth</span></p><p><sp
 an style="font-size: 12pt;">Fotos: Jürgen Moog</span></p>
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html:<p style="text-align: center;"><img src="https://www.museum-kelkheim.de/ima
 ges/KlostervortragMatuschekBerger_22.02.2025_3.jpg" alt="KlostervortragMatu
 schekBerger 22.02.2025 3" width="650" height="248" /></p><p>&nbsp;</p><p st
 yle="text-align: center;"><span style="font-size: 24pt; color: #ff0000;"><s
 trong>Als die Wölfe über die Burg Gottes kamen</strong></span></p><p style=
 "text-align: center;"><span style="font-size: 24pt; color: #ff0000;"><stron
 g>Das Kloster Kelkheim und die Gestapo</strong></span></p><p>&nbsp;</p><p s
 tyle="text-align: center;"><img src="https://www.museum-kelkheim.de/images/
 Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_1.jpg" alt="Vo
 rtrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 1" width="650" h
 eight="174" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der Plenarsaal des Kelk
 heimer Rathauses reichte nicht aus, um die vielen Teilnehmerinnen und Teiln
 ehmer beim Vortrag des Stadtarchivars Julian Wirth am 27. Februar 2026 unte
 rzubringen.</span></p><p style="text-align: center;"><img src="https://www.
 museum-kelkheim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster
 _27.02.2026_2.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 2
 7.02.2026 2" width="650" height="188" /></p><p><span style="font-size: 12pt
 ;">Bürgermeister Albrecht Kündiger und Erster Stadtrat Dirk Hofmann begrüßt
 en die Gäste.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Das Franziskanerk
 loster Kelkheim ist nicht nur ein Wahrzeichen der Stadt und der Region, son
 dern auch ein bedeutendes Zeugnis katholischer Religiosität.</span></p><p><
 span style="font-size: 12pt;">Bei der Grundsteinlegung des Klosters im Jahr
  1908 fasste der damalige Kelkheimer Bürgermeister die Intention des Baus i
 n folgende Worte:</span></p><p style="text-align: center;"><img src="https:
 //www.museum-kelkheim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerk
 loster_27.02.2026_3.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerklo
 ster 27.02.2026 3" width="650" height="304" /></p><p><span style="font-size
 : 12pt;"><em>„Dieses Haus soll erstehen Gott zur Ehr, Kelkheim zum Frieden 
 und dem schönen Taunus zur Zier!“</em></span></p><p style="text-align: cent
 er;"><img src="https://www.museum-kelkheim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_ü
 ber_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_4.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth übe
 r das Franziskanerkloster 27.02.2026 4" width="650" height="396" /></p><p><
 span style="font-size: 12pt;">Der Grundstein für den Kirchenbau wurde 1906 
 gelegt.</span></p><p style="text-align: center;"><img src="https://www.muse
 um-kelkheim.de/images/KlostervortragMatuschekBerger_22.02.2025_4.jpg" alt="
 KlostervortragMatuschekBerger 22.02.2025 4" width="650" height="187" /></p>
 <p><span style="font-size: 12pt;">Ein zentrales Jahr in der Geschichte des 
 Klosters ist das Jahr 1939. In diesem Jahr wurde das Franziskanerkloster Ke
 lkheim von der Frankfurter Gestapo gestürmt – ein Akt willkürlicher Gewalt,
  der das „Recht des Stärkeren“ schonungslos demonstrierte.</span></p><p><sp
 an style="font-size: 12pt;">Gewalt und Schamlosigkeit als Mittel der Politi
 k schienen überwunden. Doch die Geschichte zeigt: Sie sind es nicht. Aktuel
 le Beispiele wie die Praktiken der US-Einwanderungsbehörde ICE oder politis
 che Führungsstile, die eher an absolutistische Herrscher als an demokratisc
 he Prinzipien erinnern, belegen dies auf erschreckende Weise.</span></p><p 
 style="text-align: center;"><img src="https://www.museum-kelkheim.de/images
 /Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_9.jpg" alt="V
 ortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 9" width="650" 
 height="259" /></p><p><em><span style="font-size: 10pt;">Pater Ivo Trautsch
 eidt links und rechts mit den Patres des Franziskanerklosters&nbsp;</span><
 /em></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der erste Pfarrer Kelkheims, Pate
 r Ivo Trauscheidt, war ein Franziskaner vom Niederrhein. Ursprünglich für d
 ie Missionsarbeit in Japan bestimmt, änderte der Ausbruch des Ersten Weltkr
 iegs 1914 seinen Lebensweg. Statt nach Asien zu gehen, blieb er im Deutsche
 n Reich und übernahm 1919 die seelsorgerische Verantwortung in Kelkheim.</s
 pan></p><p><span style="font-size: 12pt;">Pater Ivo Trauscheidt übernahm se
 in Amt in Kelkheim zu einer Zeit tiefer Krisen. Die Folgen des Ersten Weltk
 riegs lasteten schwer auf der Bevölkerung: Die Männer litten nicht nur körp
 erlich, sondern waren, wie er selbst formulierte, <em>„am Herzen krank“</em
 >. Die Hungerblockade hatte das Volk geschwächt, und die politischen Umbrüc
 he entfesselten unkontrollierbare Leidenschaften.</span></p><p><span style=
 "font-size: 12pt;">Die Lage war prekär: Der Krieg war verloren, die Stimmun
 g gedrückt. Viele wissen heute nicht mehr, dass Kelkheim ab Dezember 1918 s
 ogar unter französischer Besatzung stand. 400 Soldaten quartierten sich in 
 der Stadt ein, und die Trikolore wehte über dem Kloster – ein sichtbares Ze
 ichen der Fremdbestimmung.</span></p><p style="text-align: center;"><img sr
 c="https://www.museum-kelkheim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Fran
 ziskanerkloster_27.02.2026_5.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franzi
 skanerkloster 27.02.2026 5" width="650" height="335" /></p><p><span style="
 font-size: 10pt;"><em>Aufmarsch in der Kelkheimer Bahnstraße 1934</em></spa
 n></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der nationalsozialistische Staat wa
 r nicht nur auf Adolf Hitler ausgerichtet – er war seine Schöpfung. Hitler 
 verkörperte als „Führer“ die absolute Spitze und zugleich den Architekten d
 es Systems. In dieser totalitären Ordnung gab es keinen Platz für konkurrie
 rende Autoritäten. Während gläubige Katholiken sich ideologisch am Papst in
  Rom orientierten, widersprach dies fundamental dem NS-Anspruch: Keine Gött
 er neben dem einen Gott.</span></p><p style="text-align: center;"><img src=
 "https://www.museum-kelkheim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franzi
 skanerkloster_27.02.2026_8.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franzisk
 anerkloster 27.02.2026 8" width="650" height="280" /></p><p><span style="fo
 nt-size: 12pt;">Das Kelkheimer Kloster galt bereits früh als Symbol katholi
 schen Widerstands. Bereits 1925 bezeichnete das evangelische <em>„Der evang
 elische Samaritan“</em> das Kloster als <em>„Hochburg des Katholizismus“</e
 m>. Für die Nationalsozialisten wurde dieser Umstand zunehmend unhaltbar. <
 /span></p><p style="text-align: center;"><img src="https://www.museum-kelkh
 eim.de/images/Vortrag_Julian_Wirth_über_das_Franziskanerkloster_27.02.2026_
 6.jpg" alt="Vortrag Julian Wirth über das Franziskanerkloster 27.02.2026 6"
  width="650" height="208" /></p><p><span style="font-size: 12pt;">Im Februa
 r 1939 eskalierte die Situation: Die Gestapo stürmte das Kloster – im NS-Ja
 rgon <em>„überholte“</em> man es, als handele es sich um eine technische An
 lage. Auch andere Einrichtungen der Peter-Josef-Stiftung, wie das Kloster i
 n Hadamar oder das Schwesternhaus <em>„Zum Guten Hirten“</em> in Marxheim, 
 wurden auf diese Weise <em>„überholt“</em>.</span></p><p><span style="font-
 size: 12pt;">Alle kirchlichen Proteste gegen die Schließung des Klosters bl
 ieben unbeantwortet. In letzter Instanz wandte sich der Kirchenvorstand sog
 ar direkt an Adolf Hitler mit den Worten:</span></p><p><span style="font-si
 ze: 12pt;"><em>„Lieber Führer, im Vertrauen, dass Sie, unser Führer, der st
 ets für das Recht gekämpft hat, auch uns zu unserem Recht verhelfen wird.“<
 /em></span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Die Forderung war klar: Ki
 rche und Kloster sollten wieder freigegeben werden. Doch die Antwort aus de
 r <em>„Kanzlei des Führers“</em> vom 8. Mai 1939 war eine klare Absage. Sta
 tt Unterstützung wurde die Gemeinde an die <em>„Geheime Staatspolizei in Be
 rlin“</em> verwiesen – ein unmissverständliches Signal, dass es keine Hilfe
  geben würde.</span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Der propagandisti
 sch beschworene <em>„Endsieg“</em> blieb aus. Mit dem Vorrücken der Alliier
 ten überschritten 1945 amerikanische Truppen den Rhein. Die NS-Lagerleitung
  floh Hals über Kopf aus dem Kloster, zusammen mit den Arbeitsmaiden. Bis A
 ugust 1945 nutzten die Amerikaner das Gebäude als Quartier. Nach ihrem Abzu
 g kehrten die Franziskaner zurück.</span></p><p><span style="font-size: 12p
 t;">Die Patres vollzogen im Kloster sogar einen Exorzismus – ein symbolisch
 er Akt der Reinigung nach den Gräueltaten der NS-Zeit. Doch dieser Exorzism
 us war mehr als ein Ritual: Er spiegelte die verzweifelte Lage einer Gesell
 schaft wider, deren Staat zusammengebrochen war, deren moralische Grundfest
 en zerstört waren und die Millionen Tote zu verantworten hatte. Eine Hornau
 er Quelle beschreibt die Zeit so:</span></p><p><span style="font-size: 12pt
 ;"><em>„Die Zeit ist von Not und Leid erfüllt. Zur Zeit besteht keine Zentr
 alregierung und keine Repräsentation. Das Reich ist völlig zerbrochen, in v
 ier Zonen aufgeteilt.“</em></span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Wer
  hatte die Gestapo-Aktion gegen das Kloster 1939 tatsächlich veranlasst? Ei
 n Bericht des Gendarmerie-Gruppenpostens Sulzbach an den Landrat des Main-T
 aunus-Kreises vom November 1945 gibt Aufschluss:</span></p><p><span style="
 font-size: 12pt;"><em>„Als der Anzeigende [des Klosters bei der Gestapo] ka
 nn nur Bürgermeister Graf in Frage kommen, da der Bericht der Geheimen Staa
 tspolizei zu Berlin den damaligen Bürgermeister von Kelkheim angibt. Graf b
 ezeichnete laut Bericht das Franziskanerkloster als ‚Hochburg der katholisc
 hen Aktion für Kelkheim und Umgebung‘ und behauptete, dass in dem Kloster ‚
 staatsfeindliche Schriften hergestellt worden seien‘. Eine Vernehmung des i
 n Frage kommenden Schuldigen kann nicht durchgeführt werden. Graf ist tot.“
 </em></span></p><p><span style="font-size: 12pt;">Text: Julian Wirth</span>
 </p><p><span style="font-size: 12pt;">Fotos: Jürgen Moog</span></p>
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