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SUMMARY:Führung zur Sonderausstellung "DEMOKRATIE WEITER DENKEN" (Artikel von Rüdiger Kraatz)
LOCATION:Alte Kirche Hornau
DESCRIPTION:<p>&nbsp;</p><p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: u
 nderline;"><span style="color: #b62f2f; font-size: 18pt; text-decoration: u
 nderline;"><strong><span style="color: #cb2549; text-decoration: underline;
 ">Führung durch die Sonderausstellung</span></strong></span></span></p><p s
 tyle="text-align: center;"><img src="images/Sonderausstellung_Gagern_ohne_T
 ermin.jpg" alt="Sonderausstellung_Gagern_ohne_Termin.jpg" width="560" heigh
 t="462" /></p><p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: 
 underline; color: #000000;"><span style="font-size: 18pt;"><strong><span>am
  4. Juni, 2023, 15:00 Uhr</span></strong></span></span></p><p style="text-a
 lign: center;"><span style="text-decoration: underline; color: #000000;"><s
 pan style="font-size: 18pt;"><strong><span>in der Alten Kirche Hornau</span
 ></strong></span></span></p><p style="text-align: center;"><span style="tex
 t-decoration: underline;"><span style="color: #b62f2f; font-size: 18pt; tex
 t-decoration: underline;"><strong><span style="color: #cb2549; text-decorat
 ion: underline;">mit dem Historiker Rüdiger Kraatz</span></strong></span></
 span></p><p><img src="images/FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern_04
 .06.2023_1.jpg" alt="FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern 04.06.2023
  1" width="560" height="224" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">In ein
 em historischen Überblick stellte Rüdiger Kraatz frühe Formen von Versammlu
 ngen mit Herrschern und ausgewählten Untertanen vor. Seit dem Mittelalter w
 aren in Europa vor allem drei Kräfte ins Machtspiel getreten, mit denen die
  Herrscher in Verhandlung treten mussten: der hohe Adel (z. B. bei der Magn
 a Charta), die großen Städte (mit ihrer wachsenden Wirtschaftskraft und ein
 em sich emanzipierenden Patriziat) und die freie Bauern, für die es bis wei
 t in die Neuzeit noch Möglichkeiten der Selbstverwaltung und Verteidigung g
 egen Unterdrückung gab. Das Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen und der
  Industriellen Revolution haben die alten Ständesysteme dann radikal veränd
 ert. Frankreich spielte 1789, 1830 und 1848 die Vorreiterrolle, auch für di
 e Entwicklungen von Verfassungen.</span></p><p><img src="images/FührungRüdi
 gerKraatzSonderausstellungGagern_04.06.2023_2.jpg" alt="FührungRüdigerKraat
 zSonderausstellungGagern 04.06.2023 2" width="560" height="224" /></p><p><s
 pan style="font-size: 10pt;">Die Führung folge im Wesentlichen den Exponate
 n der Ausstellung: von Beispielen der Gegenwart über die Geschehnisse 1848/
 49 bis zum Parlamentarismus heute.</span></p><p><img src="images/FührungRüd
 igerKraatzSonderausstellungGagern_04.06.2023_3.jpg" alt="FührungRüdigerKraa
 tzSonderausstellungGagern 04.06.2023 3" width="560" height="224" /></p><p><
 span style="font-size: 10pt;">Es wurde versucht, die Ereignisketten der Rev
 olution plastisch darzustellen, mit allen Problemen der parlamentarischen A
 useinandersetzungen bis hin zu den europäischen Verwicklungen im 19. Jahrhu
 ndert. Errungenschaften der Paulskirchenversammlung wurden den Vorwürfen ge
 genübergestellt, die Revolution sei gescheitert.</span></p><p><span style="
 font-size: 10pt;">In einer Rückschau bis zum Paulskirchenparlament wurden d
 ie Bruchlinien und Entwicklungen deutscher Geschichte illustriert und eröff
 neten Gelegenheiten für&nbsp; durchaus kontroverse Denkansätze. Hierzu wurd
 en Beispiele aus verschiedenen Perspektiven historischer Berichte vorgestel
 lt und die Bedeutung möglichst wertfreier, dem Streben nach Objektivität ve
 rpflichteter Arbeit hervorgehoben.</span></p><p><span style="font-size: 10p
 t;"><strong>&nbsp;</strong></span></p><p><span style="font-size: 10pt;"><st
 rong>Ausführende Bemerkungen</strong></span></p><p><span style="font-size: 
 10pt;">Die Bemerkungen am Ende des Kurzberichts verdienen einige Erläuterun
 gen:</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Man kann die Revolution 48
 /49 aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Zwei grundsätzlich verschied
 ene Untersuchungsweisen fallen auf: Einige Autoren wie Klingelschmitt und J
 örg Bong schreiben, um eine politisch-historische Botschaft zu präsentieren
 . In ihren Schriften werden die Brüder v. Gagern als Verräter an der Revolu
 tion gebranntmarkt, Friedrich v. Gagern gar als „Bluthund“ stilisiert, wie 
 man es mit Noske zur Weimarer Zeit &nbsp;tat. Sie beklagen, dass wegen der 
 Liberalen die Revolution in ihrer Weiterentwicklung zu einer Republik abgeb
 rochen worden sei. Damit wäre ein historischer Weg vorgezeichnet worden, de
 r letztlich in die NS-Diktatur mündete.</span></p><p><span style="font-size
 : 10pt;">Historiker wie Veit Valentin in den dreißiger Jahren des 20. Jahrh
 underts oder Frank Eyck in den Siebzigern untersuchen dagegen die Ereignisk
 etten mit der Absicht, ausgewogen und möglichst objektiv zu urteilen, wenn 
 auch bei ihnen ein eigenes Urteil sichtbar wird. Die erste Gruppe, das ist 
 kaum verwunderlich, sind hauptberuflich Journalisten, die es gewohnt sind, 
 Meinungen zu beeinflussen oder zu erzeugen. Die Gruppe der Historiker zeich
 net sich dadurch aus, dass sie ihr persönliches Urteil hinter eine genaue A
 nalyse stellen.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Ein weiteres Ko
 ntrastbild entsteht, wenn man die historische Literatur danach sichtet, wie
  die Autoren die Entwicklung zum Nationalsozialismus betrachten. Die meiste
 n deutschen Historiker der Nachkriegszeit (wie Heinrich August Winkler, Eck
 art Conze oder Thomas Nipperdey) betrachten die NS-Zeit als ein singuläres 
 Ereignis, dessen Brutalität und Einzigartigkeit immer wieder ins Zentrum ge
 rückt werden müsse.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Ein typisch
 es Beispiel für diese historische Sicht bietet Heinrich August Winkler. Er 
 zitiert den Historiker Rudolf Stadelmann (1945), welcher das Ausbleiben ein
 er erfolgreichen bürgerlichen Revolution in Deutschland des 19. Jahrhundert
 s zu erklären versucht: „Die deutsche Sonderform des aufgeklärten Fürstenst
 aates habe aber letztlich in eine Sackgasse geführt; ihre Nachwirkungen erk
 lärten mit das Scheitern der Revolution von 1848/49. &lt; Das Gift einer un
 ausgetragenen verschleppten Krise kreist ab 1850 im Körper des deutschen Vo
 lkes. Es war die typische Krankheit des ‚Landes ohne Revolution‘&gt; (Stade
 lmann). Es bedurfte der Niederlagen in zwei Weltkriegen, um in Deutschland 
 ein gründliches Nachdenken über die tieferen Ursachen des Weges in die Kata
 strophe in Gang zu setzen.“ (Literaturangabe unten, S. 218). In dieser Trad
 ition, nur wesentlich weiter von „links“ argumentierend, steht auch Jörg Bo
 ng, der die liberalen Parlamentarier um von Gagern als „Verräter“ brandmark
 t und in seinem jüngsten Werk nachzuweisen versucht, wie viel revolutionäre
 s Potential in der Volksbewegung der Jahre 1848/49 steckte. Dazu meine Beme
 rkungen auf S. 20.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Im Jahr 2020
  hat Hedwig Richter eine alternative Betrachtungsweise vorgestellt. Sie bet
 ont die Bedeutung demokratischer Tendenzen in der deutschen Geschichte, mit
  der Bundesrepublik als vorläufigem Endpunkt. Richter verharmlost den Natio
 nalsozialismus keineswegs, aber unter ihrer Schwerpunktsetzung erscheint di
 e Nazi-Epoche eher als „Betriebsunfall“, als eine Phase, auf die alles hina
 uslaufen musste. Sie schreibt: „Doch die Besinnung auf die Geschichte zeigt
 e sich nicht nur in der Abwehr, sondern auch in der Aneignung von konstitut
 ionellen und demokratischen Traditionen. Die deutsche Demokratie war kein o
 ktroyierter Fremdkörper, sie kam nicht als unbekannter Importartikel daher,
  sie entsprang auch nicht der demokratischen Schatztruhe der Alliierten, so
 ndern sie schöpfte aus deutschen historischen Erfahrungen.“</span></p><p><s
 pan style="font-size: 10pt;">Je nachdem, welcher Richtung man zuneigt, ersc
 heint die Revolution von 48/49 und die Familie derer von Gagern z.B. in ein
 em ganz anderen Licht. Sie werden „positiver“ angestrahlt, je mehr man sie 
 als Etappe auf dem Weg zu einer demokratischen Zukunft würdigt.</span></p><
 p><span style="font-size: 10pt;">Im Zuge der Feiern zum 175ten Jahrestag de
 r Paulskirchenversammlung mehren sich die Bemühungen, dieses Jubiläum als g
 esamteuropäisches Demokratieereignis zu würdigen. Im Verteidigungskampf um 
 die bundesrepublikanische Demokratie werden Erinnerungsorte und freiheitlic
 he Gründungsmythen für unser kollektives Gedächtnis gesucht. In diesem Zusa
 mmenhang erscheint die Revolution von 1848/49 als modellbildender Vorläufer
  der Bundesrepublik. Auch die Weimarer Republik „soll eben nicht länger nur
  die Vorgeschichte des unvermeidlichen Untergangs sein, sondern der Beginn 
 einer starken, wehrhaften und modernen Demokratie, der womöglich ein langes
 , glückliches Leben beschieden gewesen wären, wären da nicht ihre antidemok
 ratischen Eliten gewesen, die sie von innen heraus zersetzt und am Ende zer
 schlagen hätten.“ (Peter Neumann in „Die Zeit“ v. 17.5.2023)</span></p><p><
 span style="font-size: 10pt;">In dieser Begründungskette scheint hinwiederu
 m die Analyse der Ursachen des Nationalsozialismus in Deutschland etwas in 
 den Hintergrund zu geraten. Die Diskussionen werden mit Sicherheit lebhaft 
 weitergeführt werden.</span></p><p>Text: Rüdiger Kraatz</p><p>Fotos: Jürgen
  Moog</p>
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html:<p>&nbsp;</p><p style="text-align: center;"><span style="text-decoration: u
 nderline;"><span style="color: #b62f2f; font-size: 18pt; text-decoration: u
 nderline;"><strong><span style="color: #cb2549; text-decoration: underline;
 ">Führung durch die Sonderausstellung</span></strong></span></span></p><p s
 tyle="text-align: center;"><img src="https://www.museum-kelkheim.de/images/
 Sonderausstellung_Gagern_ohne_Termin.jpg" alt="Sonderausstellung_Gagern_ohn
 e_Termin.jpg" width="560" height="462" /></p><p style="text-align: center;"
 ><span style="text-decoration: underline; color: #000000;"><span style="fon
 t-size: 18pt;"><strong><span>am 4. Juni, 2023, 15:00 Uhr</span></strong></s
 pan></span></p><p style="text-align: center;"><span style="text-decoration:
  underline; color: #000000;"><span style="font-size: 18pt;"><strong><span>i
 n der Alten Kirche Hornau</span></strong></span></span></p><p style="text-a
 lign: center;"><span style="text-decoration: underline;"><span style="color
 : #b62f2f; font-size: 18pt; text-decoration: underline;"><strong><span styl
 e="color: #cb2549; text-decoration: underline;">mit dem Historiker Rüdiger 
 Kraatz</span></strong></span></span></p><p><img src="https://www.museum-kel
 kheim.de/images/FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern_04.06.2023_1.jp
 g" alt="FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern 04.06.2023 1" width="56
 0" height="224" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">In einem historisch
 en Überblick stellte Rüdiger Kraatz frühe Formen von Versammlungen mit Herr
 schern und ausgewählten Untertanen vor. Seit dem Mittelalter waren in Europ
 a vor allem drei Kräfte ins Machtspiel getreten, mit denen die Herrscher in
  Verhandlung treten mussten: der hohe Adel (z. B. bei der Magna Charta), di
 e großen Städte (mit ihrer wachsenden Wirtschaftskraft und einem sich emanz
 ipierenden Patriziat) und die freie Bauern, für die es bis weit in die Neuz
 eit noch Möglichkeiten der Selbstverwaltung und Verteidigung gegen Unterdrü
 ckung gab. Das Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen und der Industrielle
 n Revolution haben die alten Ständesysteme dann radikal verändert. Frankrei
 ch spielte 1789, 1830 und 1848 die Vorreiterrolle, auch für die Entwicklung
 en von Verfassungen.</span></p><p><img src="https://www.museum-kelkheim.de/
 images/FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern_04.06.2023_2.jpg" alt="F
 ührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern 04.06.2023 2" width="560" height
 ="224" /></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Führung folge im Wesentl
 ichen den Exponaten der Ausstellung: von Beispielen der Gegenwart über die 
 Geschehnisse 1848/49 bis zum Parlamentarismus heute.</span></p><p><img src=
 "https://www.museum-kelkheim.de/images/FührungRüdigerKraatzSonderausstellun
 gGagern_04.06.2023_3.jpg" alt="FührungRüdigerKraatzSonderausstellungGagern 
 04.06.2023 3" width="560" height="224" /></p><p><span style="font-size: 10p
 t;">Es wurde versucht, die Ereignisketten der Revolution plastisch darzuste
 llen, mit allen Problemen der parlamentarischen Auseinandersetzungen bis hi
 n zu den europäischen Verwicklungen im 19. Jahrhundert. Errungenschaften de
 r Paulskirchenversammlung wurden den Vorwürfen gegenübergestellt, die Revol
 ution sei gescheitert.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">In einer
  Rückschau bis zum Paulskirchenparlament wurden die Bruchlinien und Entwick
 lungen deutscher Geschichte illustriert und eröffneten Gelegenheiten für&nb
 sp; durchaus kontroverse Denkansätze. Hierzu wurden Beispiele aus verschied
 enen Perspektiven historischer Berichte vorgestellt und die Bedeutung mögli
 chst wertfreier, dem Streben nach Objektivität verpflichteter Arbeit hervor
 gehoben.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;"><strong>&nbsp;</strong
 ></span></p><p><span style="font-size: 10pt;"><strong>Ausführende Bemerkung
 en</strong></span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Die Bemerkungen am 
 Ende des Kurzberichts verdienen einige Erläuterungen:</span></p><p><span st
 yle="font-size: 10pt;">Man kann die Revolution 48/49 aus verschiedenen Blic
 kwinkeln betrachten. Zwei grundsätzlich verschiedene Untersuchungsweisen fa
 llen auf: Einige Autoren wie Klingelschmitt und Jörg Bong schreiben, um ein
 e politisch-historische Botschaft zu präsentieren. In ihren Schriften werde
 n die Brüder v. Gagern als Verräter an der Revolution gebranntmarkt, Friedr
 ich v. Gagern gar als „Bluthund“ stilisiert, wie man es mit Noske zur Weima
 rer Zeit &nbsp;tat. Sie beklagen, dass wegen der Liberalen die Revolution i
 n ihrer Weiterentwicklung zu einer Republik abgebrochen worden sei. Damit w
 äre ein historischer Weg vorgezeichnet worden, der letztlich in die NS-Dikt
 atur mündete.</span></p><p><span style="font-size: 10pt;">Historiker wie Ve
 it Valentin in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts oder Frank Eyck in
  den Siebzigern untersuchen dagegen die Ereignisketten mit der Absicht, aus
 gewogen und möglichst objektiv zu urteilen, wenn auch bei ihnen ein eigenes
  Urteil sichtbar wird. Die erste Gruppe, das ist kaum verwunderlich, sind h
 auptberuflich Journalisten, die es gewohnt sind, Meinungen zu beeinflussen 
 oder zu erzeugen. Die Gruppe der Historiker zeichnet sich dadurch aus, dass
  sie ihr persönliches Urteil hinter eine genaue Analyse stellen.</span></p>
 <p><span style="font-size: 10pt;">Ein weiteres Kontrastbild entsteht, wenn 
 man die historische Literatur danach sichtet, wie die Autoren die Entwicklu
 ng zum Nationalsozialismus betrachten. Die meisten deutschen Historiker der
  Nachkriegszeit (wie Heinrich August Winkler, Eckart Conze oder Thomas Nipp
 erdey) betrachten die NS-Zeit als ein singuläres Ereignis, dessen Brutalitä
 t und Einzigartigkeit immer wieder ins Zentrum gerückt werden müsse.</span>
 </p><p><span style="font-size: 10pt;">Ein typisches Beispiel für diese hist
 orische Sicht bietet Heinrich August Winkler. Er zitiert den Historiker Rud
 olf Stadelmann (1945), welcher das Ausbleiben einer erfolgreichen bürgerlic
 hen Revolution in Deutschland des 19. Jahrhunderts zu erklären versucht: „D
 ie deutsche Sonderform des aufgeklärten Fürstenstaates habe aber letztlich 
 in eine Sackgasse geführt; ihre Nachwirkungen erklärten mit das Scheitern d
 er Revolution von 1848/49. &lt; Das Gift einer unausgetragenen verschleppte
 n Krise kreist ab 1850 im Körper des deutschen Volkes. Es war die typische 
 Krankheit des ‚Landes ohne Revolution‘&gt; (Stadelmann). Es bedurfte der Ni
 ederlagen in zwei Weltkriegen, um in Deutschland ein gründliches Nachdenken
  über die tieferen Ursachen des Weges in die Katastrophe in Gang zu setzen.
 “ (Literaturangabe unten, S. 218). In dieser Tradition, nur wesentlich weit
 er von „links“ argumentierend, steht auch Jörg Bong, der die liberalen Parl
 amentarier um von Gagern als „Verräter“ brandmarkt und in seinem jüngsten W
 erk nachzuweisen versucht, wie viel revolutionäres Potential in der Volksbe
 wegung der Jahre 1848/49 steckte. Dazu meine Bemerkungen auf S. 20.</span><
 /p><p><span style="font-size: 10pt;">Im Jahr 2020 hat Hedwig Richter eine a
 lternative Betrachtungsweise vorgestellt. Sie betont die Bedeutung demokrat
 ischer Tendenzen in der deutschen Geschichte, mit der Bundesrepublik als vo
 rläufigem Endpunkt. Richter verharmlost den Nationalsozialismus keineswegs,
  aber unter ihrer Schwerpunktsetzung erscheint die Nazi-Epoche eher als „Be
 triebsunfall“, als eine Phase, auf die alles hinauslaufen musste. Sie schre
 ibt: „Doch die Besinnung auf die Geschichte zeigte sich nicht nur in der Ab
 wehr, sondern auch in der Aneignung von konstitutionellen und demokratische
 n Traditionen. Die deutsche Demokratie war kein oktroyierter Fremdkörper, s
 ie kam nicht als unbekannter Importartikel daher, sie entsprang auch nicht 
 der demokratischen Schatztruhe der Alliierten, sondern sie schöpfte aus deu
 tschen historischen Erfahrungen.“</span></p><p><span style="font-size: 10pt
 ;">Je nachdem, welcher Richtung man zuneigt, erscheint die Revolution von 4
 8/49 und die Familie derer von Gagern z.B. in einem ganz anderen Licht. Sie
  werden „positiver“ angestrahlt, je mehr man sie als Etappe auf dem Weg zu 
 einer demokratischen Zukunft würdigt.</span></p><p><span style="font-size: 
 10pt;">Im Zuge der Feiern zum 175ten Jahrestag der Paulskirchenversammlung 
 mehren sich die Bemühungen, dieses Jubiläum als gesamteuropäisches Demokrat
 ieereignis zu würdigen. Im Verteidigungskampf um die bundesrepublikanische 
 Demokratie werden Erinnerungsorte und freiheitliche Gründungsmythen für uns
 er kollektives Gedächtnis gesucht. In diesem Zusammenhang erscheint die Rev
 olution von 1848/49 als modellbildender Vorläufer der Bundesrepublik. Auch 
 die Weimarer Republik „soll eben nicht länger nur die Vorgeschichte des unv
 ermeidlichen Untergangs sein, sondern der Beginn einer starken, wehrhaften 
 und modernen Demokratie, der womöglich ein langes, glückliches Leben beschi
 eden gewesen wären, wären da nicht ihre antidemokratischen Eliten gewesen, 
 die sie von innen heraus zersetzt und am Ende zerschlagen hätten.“ (Peter N
 eumann in „Die Zeit“ v. 17.5.2023)</span></p><p><span style="font-size: 10p
 t;">In dieser Begründungskette scheint hinwiederum die Analyse der Ursachen
  des Nationalsozialismus in Deutschland etwas in den Hintergrund zu geraten
 . Die Diskussionen werden mit Sicherheit lebhaft weitergeführt werden.</spa
 n></p><p>Text: Rüdiger Kraatz</p><p>Fotos: Jürgen Moog</p>
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