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Möbel des Jahres 2017

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Die Wahl zum „Möbel des Jahres 2017“ fiel für den Museumsverein eindeutig auf den bereits als Dauerleihgabe im Museum Kelkheim ausgestellten

Frankfurter Schrank aus der Möbelwerkstatt Erwin Pleines

Frankfurter Schränke wurden bereits im 17. Jahrhundert gebaut und blieben das gesamte 18. Jahrhundert hindurch gefragte Meisterstücke in der Frankfurter Schreinerinnung. So erklärt sich auch ihr Name.

Diese prunkvollen Schränke wurden vor allem zur Aufbewahrung von Hauswäsche oder Bekleidung genutzt. Sie standen traditionell im Flur eines Hauses und dienten zugleich der Repräsentation in wohlhabenden Bürgerhäusern.

Frankfurter Schränke sind vollständig zerlegbar in Türen, Seitenteile, die Rahmenrückwand sowie Gesims und Sockel. Die Verbindung der Einzelteile ist bewusst einfach gestaltet. Gesims und Sockel werden durch Keile verbunden. Die Türen sind eingehängt. Durch diese einfache, aber sehr flexible Konstruktion besticht der Schrank durch seine Beständigkeit, so dass noch heute viele alte Frankfurter Schränke in Privatbesitz oder in Museen erhalten sind. In solchen beeindruckenden Einzelexemplaren wurden ca. 500 kg Massivholz verarbeitet und 150 bis 200 Holzteile auf den Millimeter genau zusammengesetzt. 

Der Frankfurter Schrank – ein Qualitätsmöbel aus Kelkheim

Wiederbelebt wurde diese Tradition meisterlichen Könnens in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts durch den Kelkheimer Schreinermeister Erwin Pleines, der die Schreinerei und Möbelwerkstatt seiner Familie in der dritten Generation bis 2011 weiterführte. Über 150 Exemplare seines für die moderne Zeit modifizierten Frankfurter Schrankes verließen sein Möbelhaus und gingen in viele Gebiete Deutschlands und in die ganze Welt.

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Die Kelkheimer Schreiner Erwin Pleines und Josip Gretić vor einem der von ihnen gebauten Frankfurter Schränke 

Traditionelle Konstruktionsmerkmale wie Holzkeilverschlüsse und Zahnleisten wurden genauso verwendet wie moderne Technik.    

Eine Sonderform des Frankfurter Schranks stellt der hier ausgestellte Wellenschrank dar, der seine Bezeichnung von den aufwändig querfurnierten Profilleisten in Wellenform erhielt, welche die gesamte Front und die Seiten dekorieren.

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Man darf gut und gerne ungefähr 650 Arbeitsstunden (etwa 7 Wochen) für den hier ausgestellten Schrank ansetzen. Natürlich hatte solch ein Prachtexemplar seinen Preis. 12.000 bis 40.000 DM musste ein Auftraggeber in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dafür anlegen.

In Zeiten moderner Möbel-Massenfabrikation, mobiler Berufs- und Familienplanung und kleinerer Wohnräume werden solche großen handgefertigten Möbelstücke wie dieser Frankfurter Schrank nur noch von Liebhabern traditioneller Möbel bestellt.

Die Geschichte des hier ausgestellten Frankfurter Schranks

Der hier vorgestellte Schrank wurde von Herrn Alois August Heuser aus Neuenhain Ende der 1980er Jahre in Kelkheim in Auftrag gegeben. Wir sind den Erben und Leihgebern Ulrike Bachner und Stefan Heuser dankbar, dass wir den Frankfurter Schrank als Dauerleihgabe präsentieren dürfen.

Maßgeblichen Anteil an der Geschichte der Kelkheimer Frankfurter Schränke hat der Schreiner Josip Gretić. 1965 kam er aus dem damaligen Jugoslawien nach Deutschland und arbeitete ab 1982 in der Möbelwerkstatt des Schreinermeisters Erwin Pleines. Zwischen beiden bestand drei Jahrzehnte lang ein enges Vertrauensverhältnis.

Die Erwin Pleines und Josip  Gretić waren nach eigener Darstellung die einzigen in Deutschland, die zu ihrer Zeit einen Frankfurter Schrank in dieser Qualität herstellen konnten. Nach dem Tod von Erwin Pleines im Jahr 2014 ist Josip Gretic heute der wahrscheinlich letzte Schreiner, der über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Herstellung eines Frankfurter Schrankes verfügt.

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Foto 4: Josip  Gretić im Interview bei der Vorstellung des „Möbel des Jahres 2017“

Das ausgestellte Werkstück aus der Möbelwerkstatt Pleines füllt eine wichtige Lücke in der Sammlung und Dauerausstellung des Museums Kelkheim. Erwin Pleines war nicht nur Mitbegründer des Museums, er war als Designer, Künstler und Naturschützer eine Persönlichkeit von großer Bedeutung für Kelkheim und in der Region.