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16. Geschichtstag für Taunus und Main
„Made in Taunus“
Am 18.April 2026 fand in Friedrichsdorf der 16. Geschichtstag des MTK, unter dem Titel „Made in Taunus“ - Erfindungen und Innovation in der Rhein-Main-Taunus-Region 18.April 2026 statt.
Unsere Referentin, Frau Dr. Kirstin Funke, folgte dem Titel und fertigte einen Bildvortrag zu einem für Kelkheim prädestinierten Thema:
„Made in Kelkheim“
Die außergewöhnliche Geschichte des Kelkheimer Möbelhandwerks.
Die Grundlagen für die Entwicklung des Möbelhandwerks fanden sich in der geografischen Lage Kelkheims: etwas isoliert, aber nicht zu weit von großen Städten entfernt, im Vorhandensein des Rohstoffs Holz direkt vor der Tür und in der bestehenden Armut im 19 Jh. verursacht durch die Erbteilung (Dichmann 1927).

Messtischblatt 1876, Archiv Kelkheim Blick auf Fischbach heute, Foto Funke
Die Kelkheimer hatten bereits bewiesen, dass sie Innovativ sein konnten. Das bezeugen die vielfältigen Betätigungsfelder, die im Laufe der Zeit mehr oder weniger gut dem Lebensunterhalt dienten: Obstbau, Leineweberei, Ziegelherstellung, Dippegeschirrherstellung, Bergbau u.s.w. (Stadtteilvitrinen Museum).

erstellt Funke 2026
Der Rohstoff lag vor der Tür. Aus der Not geboren.
Um 1860 begannen der Wagner Heinrich Herr und der Mühlenbauer Erasmus Seebold aus Kelkheim neben ihrem eigentlichen Broterwerb mit dem Holzhandwerk und stellten einfache Möbelstücke her.
Einen deutlichen Aufschwung des Wohlstandes und im Anstieg der Bevölkerung erfuhren zuerst Kelkheim Mitte sowie die Stadtteile Fischbach, Münster und Hornau durch den Beginn der Herstellung einzelner einfacher Möbel. Nach Rolly 1966 gab es drei Phasen der frühen Kelkheimer Möbelindustrie von 1860 bis 1908:

Aus der Zeit des Beginns des Möbelhandwerks in K. existieren keine Bilder. Stellvertretend erhielten die Zuhörer einen Einblick in den Bankraum des früheren Kelkheimer Museums.

Sehr schnell entwickelt sich das Schreinerhandwerk von der Hausmanufaktur als Nebenerwerb zur Spezialisierung und Industrialisierung. Es folgte am Ende des 18 Jh. der Verkauf der Möbel über Händler, das sog. Verlagswesen. Sie kauften den Kelkheimern Möbelstücke ab, die diese in Serie fertigten. Das Schreinerhandwerk blühte auf.

(Infos zum Schaubild aus Museum Kelkheim)


Das Ende des Verlagswesens um 1900 begann durch den Bau eigener Möbelfabriken in Höchst. Die Kelkheimer Schreiner mussten sich wieder neu orientieren und wie zu den Anfangszeiten den Einkauf und den Verkauf selbst übernehmen. Mit dieser Entwicklung, auch der Zeit der frühen Industrialisierung in Kelkheim, ging der zunehmende Einsatz von Maschinen einher. Die ersten Fabriken entstanden.


"Kelkheim 1929" Ölgemälde des Kunstmalers Max Haenger - Standort Münsterer Straße

Schornsteine prägten die Landschaft. Alte Gewerbegebiete wurden umfunktioniert.
Nach der ersten frühen Welle (Schaubild oben) gab es eine zweite, deren Höhepunkt in den 40ger Jahren lag und bis in die 60ger des 20Jh. anhielt (folgendes Schaubild). Die Kelkheimer spezialisierten sich u.a. auf Zimmereinrichtungen, fertigten Einzelanfertigungen, Wunschanfertigungen, Auftragsarbeiten an. Die Zahl der Schreinereien und Holzverarbeitenden Industrie wuchs. Die Zahl der Industriebetriebe, der Maschinen und der Arbeiter nahm zu.






Befeuert wurde diese Entwicklung durch umtriebige Kelkheimer die Möbelmessen organisierten. Die erste Möbelausstellung fand am 3.-17. Mai 1925 in Fischbach statt und präsentierte ausschließlich Speise- und Herrenzimmer. gefolgt von einer weiteren Möbelausstellung am 4.-11. Oktober 1925 in Fischbach nach dem Muster großer Warenmessen (Stempel 1997). Fast parallel organisierten auch die Kelkheimer aus Mitte eine Möbelausstellung am 7.-18. Oktober 1925 in Kelkheim. Hier wurden vorrangig fein polierte Schlafzimmer gezeigt. Es gab 1600 Besucher 400 Möbelhändler Info aus Museum /bzw. 400 Besucher nach Rolly – 120 Einrichtungen wurden direkt verkauft.


Waren es 1925 noch 400 Besucher in Kelkheim – nach dem 2.WK ging es steil nach oben. Seit 1951 gab es jedes Jahr eine Möbelausstellung. Den Höhepunkt des Besucherandrangs ab es 1965 mit 40000 Besuchern. Bis 1996 fanden Möbelmessen statt. (Stempel 1997).



Während dieser zweiten große Phase der industriellen Spezialisierung des Handwerks in Kelkheim ging auch die Änderung des Stadtbildes, vor allem entlang der großen Hauptstraßen einher. Verkaufsräume und große Schaufensterfronten entstanden.


Nach der Darstellung der Entwicklung der Möbelindustrie gab es Bilder zur Vielfalt der Kelkheimer Kreationen in jedem Jahrzehnt ab 1900 Bilder:
















Bis heute existiert das Schreinereihandwerk in Kelkheim und bringt immer wieder neue Innovationen hervor.
Dr. Kirstin Funke
Samstag, 18. April 2026 11:00 Uhr




